Warum die Vorlauftemperatur über die Eignung entscheidet
Heizkörper wurden in älteren Gebäuden häufig für Vorlauftemperaturen von 70 °C und mehr ausgelegt. Eine Wärmepumpe arbeitet dagegen umso effizienter, je niedriger die Systemtemperatur ist: Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur verbessert die Jahresarbeitszahl und senkt damit direkt die Stromkosten.
Ob Ihre Heizkörper geeignet sind, entscheidet sich deshalb an einer Frage: Können sie die benötigte Raumheizlast auch bei etwa 45 bis 55 °C Vorlauf noch abgeben? Das hängt von der Größe der Heizflächen im Verhältnis zum Wärmebedarf des jeweiligen Raums ab – nicht vom Baujahr oder vom Heizkörpertyp allein.
Heizkörperleistung bei niedrigerer Systemtemperatur
Die Wärmeabgabe eines Heizkörpers sinkt überproportional mit der Differenz zwischen Heizflächen- und Raumtemperatur. Ein Heizkörper, der bei 70/55 °C seine Nennleistung liefert, gibt bei 45 °C Vorlauf nur noch einen Teil davon ab. In teilsanierten Gebäuden reicht das trotzdem oft aus, weil auch die Heizlast der Räume deutlich unter dem ursprünglichen Auslegungswert liegt.
Als grobe Faustregel gilt: Sinkt die Vorlauftemperatur von 70 °C auf 45 °C, sinkt die Wärmeabgabe eines unveränderten Heizkörpers auf etwa 40 bis 50 % seiner Nennleistung. Deshalb kommt es nicht auf den Heizkörpertyp an sich an, sondern auf die Reserve: Ein Heizkörper, der im Auslegungsfall deutlich überdimensioniert war, verkraftet die niedrigere Temperatur oft ohne Anpassung – ein knapp berechneter dagegen nicht.
Einzelne kritische Heizkörper sind kein K.-o.-Kriterium
In der Praxis scheitert die Eignung selten am gesamten System. Typischerweise sind es einzelne Räume – etwa ein Bad mit kleinem Heizkörper oder ein Raum an der Wetterseite –, die bei niedriger Vorlauftemperatur nicht mehr warm werden. Dann genügt es meist, gezielt diese Heizkörper zu vergrößern, statt alles zu tauschen. Entscheidend ist die Unterscheidung: Einzelne ungeeignete Heizflächen lassen sich wirtschaftlich beheben; nur ein insgesamt zu knapp dimensioniertes System erfordert eine grundlegendere Anpassung.
Diese Maßnahmen verbessern die Eignung
Hydraulischer Abgleich
Verteilt die Heizwassermenge korrekt auf alle Räume und senkt die nötige Vorlauftemperatur oft um mehrere Grad – meist die Maßnahme mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis.
Größere oder leistungsstärkere Heizkörper
Der Austausch einzelner kritischer Heizkörper gegen größere Modelle oder Niedertemperatur-Heizkörper erhöht die Wärmeabgabe bei gleicher Systemtemperatur.
Gebläseunterstützte Heizkörper
Nachrüstbare Ventilatoreinheiten erhöhen die Wärmeabgabe bestehender Heizkörper spürbar, ohne dass Wände oder Anschlüsse verändert werden müssen.
Dämmung gezielt verbessern
Schon einzelne Maßnahmen wie eine gedämmte oberste Geschossdecke senken die Heizlast – und damit die Vorlauftemperatur, die Ihre Heizkörper bedienen müssen.